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FutsalFutsal? Was ist eigentlich Futsal?

Es gibt sehr viele Vorstellungen von den unterschiedlichsten Fußballtrainern in der Republik, aber was bedeutet Futsal wirklich?

Körperlos – Hallenfußball für Mädchen – Nur für Techniker – Das spielt doch dieser Falcao?

Auf der Webseite seines Vereines Futsalicious Essen verfasste Kristoff Gött eine sehr umfangreiche Zusammenfassung über den schnellen Hallensport.

Kurz gesagt:

Futsal ist Hallenfußball … und gleichzeitig viel mehr.
Futsal ist eine eigene Sportart, wenngleich es in der technischen und taktischen Ausbildung von Fußballern, besonders von Anfängern, sehr wichtige Anreize und Grundlagen liefern kann.
Futsal bedient sich bei vielen guten Ideen aus anderen Sportarten, wie Handball oder Basketball.
„Futsal ist der ehrliche Fußball“ (Zitat von Steffen Bonnekamp) – der Fußball-KAMPF ist durch die Regeln auf das notwendige und sinnvolle Maß beschränkt – zwischen Futsal-Teams nur der gewinnen kann, der als Mannschaft geschlossen Fußball SPIELT
Futsal ist schneller, fairer, deutlich weniger verletzungsgefährlich, taktisch moderner und meistens torreicher als der traditionelle „deutsche“ Hallenfußball … und
Futsal ist ganzjährig „überdacht“. 😉

Die Futsal-Geschichte: Eine „Notlösung“ wird globaler Publikumsmagnet

Futsal ist „der frischere Fußball“, wie die „Zeit“ im April 2010 titelte. Er ist die offizielle Form des Hallenfußballs nach international geltenden FIFA-Regeln. Also doch nur ein neuer Name für Hallenfußball? Nein, denn Futsal ist nicht vergleichbar mit dem, was man bislang in Deutschland unter Fußball in der Halle verstanden hat! Beim Futsal wird die Attraktivität des Fußballs mit bewährten Ideen anderer Sportarten zu einem aufregenden Ganzen kombiniert. Bei FIFA, UEFA und DFB wird Futsal als eigenständige Disziplin neben dem Fußball geführt.

Der Name ist eine Kurzform des portugiesischen Ausdrucks „futebol de salão“ (Hallenfußball). Erfunden wurde Futsal im Südamerika der 1930er Jahre als eine „Notlösung“ für fehlende herkömmliche Fußballplätze. Bereits 1942 hat der südamerikanische Sportlehrerbund dann aber den Futsal aufgrund seiner ureigenen Eigenschaften bei Fairness, Fitness, Technik und Taktik für den Schulsport empfohlen. Bis zum heutigen Tag bestätigen sportwissenschaftliche Studien immer wieder die Qualitäten des Futsals gegenüber dem herkömmlichen (Hallen-)Fußball.

Seit den 1950ern wird Futsal in Südamerika in organisierten Ligen gespielt. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es einen enormen Zuwachs an internationaler Aufmerksamkeit, der zu einer globalen Verbreitung des Futsalspiels geführt hat.

Heute ist Futsal in der gesamten Fußballwelt verbreitet und existiert mit großer Popularität neben dem Rasenfußball. Es haben sich Profiligen in Südamerika, aber auch in Europa oder Asien entwickelt, wahre Publikumsmagneten. Neben den Ligen gibt es eine riesige Zahl von gut besuchten nationalen und internationalen Turnieren. In der „Champions League“ der UEFA z.B. spielen Jahr für Jahr unzählige Clubs um den „UEFA Futsal-Cup“. Nationalmannschaften unzähliger Länder spielen im 4-Jahres-Rhythmus bei den offiziellen Europameisterschaften der UEFA und den Weltmeisterschaften der FIFA.

Fußball-Weltstars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Zinedine Zidane, Ronaldinho, Xavi, aber auch schon der große Pelé haben ihre außergewöhnlichen Spielfähigkeiten durch eine Grundausbildung im Futsal erlernt und verfeinert. Inzwischen hat der Futsal aber auch seine eigenen Weltstars hervorgebracht: Die Namen Falcão oder Ricardinho kennt nicht nur in den Futsal-Nationen inzwischen jedes Kind.

(kristoff gött, 14.07.2015)

 

Die Futsal-Entwicklung in Deutschland

„Keine der großen Fußballnationen kann es sich mehr leisten, Futsal zu ignorieren“, schrieben sich deutsche Regionalverbände schon vor einigen Jahren in ihre Notizbücher. Aber es bedarf noch einiger Anstrengungen im Land des viermaligen Fußballweltmeisters.
Heute ist Futsal in der gesamten Fußballwelt weit verbreitet … mit Ausnahme des deutschsprachigen Raums. Hier ist die Sportart immer noch verhältnismäßig unbekannt und firmiert offiziell noch unter dem Etikett „Freizeit- und Breitensport“ … doch seit dem DFB-Bundestag 2012 gibt es auch hierzulande eine deutlich spürbare Vorwärtsentwicklung durch das Betreiben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Doch der Reihe nach:

Nachdem deutscher Futsal seit dem „Erstkontakt“ von Privatpersonen um 2000/2002 lange Zeit nur von privater Seite, in neu gegründeten (Hobby)Mannschaften oder, etwas später, auf unterer Verbandsebene betrieben wurde, hat der DFB 2006 erstmals eine jährlich ausgetragene, inoffizielle Deutsche Meisterschaft geschaffen: das Turnier um den „DFB Futsal-Cup“. Seitdem legen DFB und die angeschlossenen Verbände allmählich gesteigerten Wert auf Förderung und Verbreitung von Futsal. Eine weitere Intensivierung der Bemühungen hatte der DFB für die Zeit nach dem Ende der Fußball-WM der Frauen 2011 zugesagt.

Im Oktober 2010 einigte sich die DFB Futsal-Tagung aller Landesverbände darauf, dass jeder Landes- und Regionalverband eine Auswahlmannschaft aufbaut. Im Rahmen dieser Tagung kam es zu einem Demonstrationsspiel zwischen den Auswahlkadern des Fußballverbands Niederrhein e.V. (FVN) und des Fußballverbands Mittelrhein e.V. (FVM). In Nordrhein-Westfalen wurde im Jahr 2011 der erste Länderpokal zwischen den Auswahlen des Mittelrheins, Westfalens (FLVW) und dem Niederrhein ausgetragen. Nach weiteren Vergleichsspielen wurden die mit dieser Aktivität verbundenen Bestrebungen zur Gründung einer deutschen Futsal-Nationalmannschaft im Spätsommer 2011 vom DFB jedoch wieder auf Eis gelegt. Bis dahin war ein erstes Demonstrationsspiel einer deutschen Auswahl im Rahmen des „DFB Futsal-Cups 2010“ und ebenso ein erneuter Vergleich der „DFB Futsal All-Stars“ im Rahmen des „DFB Futsal-Cups 2011“ durchgeführt worden.

Mit dem Stopp des DFB wurden in mehreren kleineren Treffen zwischen Futsal-Vereinsvertretern und Vertretern des DFB und seiner Regional- und Landesverbände anderweitige Möglichkeiten der Förderung der Sportart Futsal in Deutschland diskutiert. Nachwievor liegt die Organisation vorwiegend in Vereinshänden und privaten Initiativen. Seit 2011 veranstalten Privatleute/Vereine in Zusammenarbeit mit Agenturen, Sponsoren/Ausrüstern und Verbänden verstärkter Schulungen für Trainer im Futsal-Bereich. Auch der DFB bietet seit 2012 vereinzelte, aber sehr gut besuchte Futsal-Schulungen mit offiziellen FIFA-Instruktoren an. Seit Sommer 2012 zeichneten sich wieder verstärkt Vereins- und Abteilungsneugründungen ab.

Beim angesprochenen DFB-Bundestag aller 21 Landesverbände 2012 wurde ein umfangreicher „Masterplan für den Amateurfußball“ im Lande verabschiedet – sehr zur Freude der Futsal-Szene geht es dabei auch um die Entwicklung von Futsal. Bis zum Winter 2015/2016 sollen alle offiziellen Verbands-Hallen-Turniere oder -Meisterschaften in Deutschland ausschließlich nach dem offiziellen Futsal-Regelwerk gespielt werden. Damit orientiert man sich eindeutig weg vom „traditionellen Hallenfußball“, was allerdings vielerorts bei „alteingesessenen“ Fußballern und besonders Fußballfunktionären, aufgrund von fehlender Fachkenntnisse, zu Missmut führt. Die Weiterführung des Aufbaus von ständigen Futsal-Landesauswahlen wurde flächendeckend für alle 21 Verbände beschlossen und durch die Einführung des seit 2014 jährlich stattfindenden, dreitägigen Vergleichs- und Sichtungsturniers „DFB Futsal-Länderpokal“ mit einer attraktiven Präsentations- und Austauschplattform für die Futsal-Szene bedacht.

Bis spätestens 2016/2017 soll es, laut „Masterplan“, nun definitiv eine offizielle Deutsche Futsal-Nationalmannschaft geben. Nach dem „DFB Futsal-Länderpokal“ 2015 erfolgten unter der Leitung von Paul Schomann (DFB-Basisfußball), Daniel Gerlach (Futsal Panthers Köln) und Wendelin Kemper (UFC Münster) zwei große Schulungen den Sportschulen Kaiserau und Grünberg für insgesamt über 50 Spieler, die beim Länderpokal gesichtet und ausgewählt wurden.
Bereits 2013 hat der Allgemeine Deutsche Hochschulsportbund (adh) unter der Leitung von Georg von Coelln (UFC Münster) eine offizielle Deutsche Studenten-Futsal-Nationalmannschaft ins Leben gerufen.

Einige Landesverbände mehr als zuvor engagieren sich beim Aufbau von eigenen Futsal-Ligen. Im Spätsommer/Herbst 2013 startete im Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) die zweite deutsche Futsal-Regionalliga, neben der WFLV Futsal-Liga des Westdeutschen Fußball- & Leichtathletikverbands. In der Spielzeit 2015/16 wird, nach Begründung der ersten Futsal-Ligen in Bayern, eine süddeutsche Futsal-Regionalliga folgen. In Niedersachsen und Bremen wird ebenfalls an einer möglicherweise gemeinsamen Liga gearbeitet.
Überall in Deutschland gilt aber weiterhin: Zunächst wird man weitere Futsalvereine bzw. Futsalabteilungen bei Fußballvereinen gewinnen müssen, um die bestehenden Ligen zu stärken und überhaupt weitere Ligen aufbauen zu können. Hieran beteiligen sich einige bestehende Futsal-Vereine sehr intensiv.
Im Frühjahr 2015 machte der DFB seine bis dato inoffizielle Meisterschaft, den DFB Futsal-Cup, für den Seniorenbereich erstmals zur offiziellen Deutschen Futsal-Meisterschaft – eine echte Aufwertung des Events und damit des gesamten bestehenden Spielbetriebs!

Die C-Junioren im Fußball spielen seit 2007 einmal im Jahr den DFB C-Junioren Futsal-Cup aus. Seit 2013 wurde dieses Angebot auch auf den B-Jugendbereich ausgedehnt.

Im Bereich des Gehörlosensports mischt Deutschland in Sachen Futsal seit einiger Zeit bereits kräftig mit: Seit 2008 wird unter dem Dach des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands (DGS) eine offizielle Deutsche Futsal-Meisterschaft der Gehörlosen für Frauen und Männer ausgespielt. International nehmen Frauen und Männern an den europäischen Vereinsmeisterschaften teil und als offizielle Frauen-Futsal-Nationalmannschaft der Gehörlosen beteiligt man sich seit 2002 an den Welt- und Europameisterschaften.

Es ist noch ein weiter Weg, um den deutschen Futsal national bekannter und schlussendlich auch international wettbewerbsfähig zu machen, ihn strukturell zu stärken, weiter zu professionalisieren und so ein sinnvolles Kooperations- und attraktives Konkurrenzangebot für den Hallenfußball bzw. neben dem (Rasen-)Fußball zu schaffen.

(kristoff gött, 14.07.2015)

 

Das macht Futsal aus:

Futsal ist perfekt auf die Halle abgestimmtes Fußballspiel:
Das Reglement des Futsal ist die beste Wahl, wenn man Fußball effektiv in einer Sporthalle so umsetzen will, dass er dem Spiel auf dem rasen ähnlich ist. Seiten- und Toraus, ein dem Untergrund angepasster Ball, der Spielfeldgröße angepasste Tore und Regeln, die zu jeder Zeit das FußballSPIEL fördert und den puren FußballKAMPF auf das Nötigste reduziert.

Futsal ist besonders fair:
Durch Härte kann keine spielerische Schwäche wettgemacht werden. Es gibt strenge und klare Foulregeln, Futsal ist aber kein „körperloses“ Spiel. Es gibt keine unfaire Zeitschinderei durch übertriebene Theatralik bei Foulspielen, betont langsame Ausführung von Standards, zeitraubende Diskussionen oder durch Ballwegschlagen.

Futsal ist besonders schnell:
Das beständig hohe Tempo durch die Nettospielzeit fördert und erfordert rasante Balltechnik, hohe taktische Konzentration und blitzschnelles Entscheidungsdenken, sowie schnelles und ständiges Umschalten zwischen Offensive und Defensive und ein ausgeprägtes Feingefühl jedes Spielers für situationsbedingtes Positionsspiel auf vielen Positionen.

Futsal ist besonders intensiv:
Futsal ist ein Laufsport. Trotz der verhältnismäßig kurzen Nettospielzeit auf dem Papier fordert das Spiel den Aktiven ähnlich stark wie der Fußball auf dem rasen. Es kommt ständig zu spielentscheidenden Situationen, Positions-, Formations-, Rhythmus- und Richtungswechseln. Von allen Spielern wird ein sehr hohes Maß an Konzentration, Technik, Bewegungsfähigkeit & Kondition gefordert.

Futsal ist besonders spannend:
Als echter Thriller für Zuschauer bietet Futsal durch die geringe Größe des Spielfeldes ständig Torraumszenen und ein unablässiges Auf und Ab, ähnlich wie beim Handball, Basketball oder Eishockey. Verbunden mit vielen Toren und einem stets möglichen Umschlagen der Vorteile für beide Teams bleibt Futsal über die gesamte Spieldauer spannend.

Futsal ist ein wichtiger Teil der Fußballausbildung der Jugend:
Futsal eignet sich hervorragend zur tschnischen und taktischen Heranführung und Ausbildung von Kindern im frühen Schulalter, wie durch sportwissenschaftliche Studien in Deutschland und weltweit mehrfach nachgewiesen wurde.

Futsal ist perfektioniertes Teamwork:
Kein Bankdrücken, sondern fliegende Wechsel: Jeder Spieler wird möglichst umfassend auf vielen Positionen ausgebildet bzw. muss möglichst umfassend ausgebildet sein. Jeder Spieler bekommt sehr viel Einsatzzeit auf vielen Positionen. Trotz der hohen technischen und taktischen Anforderungen und Fähigkeiten der Futsal-Spieler ist auch hier ohne Teamgeist nichts zu gewinnen.

Futsal fordert und fördert:
Selbst für gänzlich fußballunerfahrene Neulinge ist Futsal überdurchschnittlich schnell zu erlernen. Spielunerfahrene lassen sich deutlich leichter und trotzdem produktiv in ein Team integrieren.

Futsal ist wetterunabhängig:
Das Spiel mit dem kleineren und sprungreduzierten Ball wird ausschließlich in Sporthallen gespielt. Durch diese Unabhängigkeit von gutem Wetter kann eine regelmäßige Durchführung der Spiele in jeder Spielklasse gewährleistet werden. Auch für die Zuschauer ist es angenehmer rasanten fußballbasierten Sport ohne Frieren und Nassregnen erleben zu können.

(kristoff gött, 13.01.2014)