Skip to main content

Pictures of FutsalDer Futsal Torwart

Ein Bericht über den Futsal Torwart von Daniel Weimar (Holzpfosten Schwerte 05) – futsaleconomist MisterFutsal

Bisher gibt es wenige ausgebildete Torhüter in Deutschland, die ihr spezifisches Wissen weitergeben können. Für jeden Neuling im Futsal gilt also, so viel Wissen wie möglich von den bestehenden Keepern aufzusaugen, zu imitieren und Futsalspiele online oder live anzuschauen.

Um Neulingen im Tor den Einstieg zu erleichtern, werden nachstehend einige Fragen aufgelistet, welche immer wieder von Torhütern oder Ausbildern aus dem Fußball aufkommen. Wichtig für alle Torhüter ist es, sich von den im Fußball erlernten Elementen zu trennen und offen für neue Techniken zu sein. Auch wenn dieser Artikel (noch) keine konkreten Übungen auszeigt, soll der Artikel Torhüter-Neulingen den Einstieg erleichtern.

Gibt es die eine „richtige Technik“?

Die Technik für Torhüter ist sehr spezifische und es gibt unterschiedliche Ausprägungen. Grob lassen sich die Schulen in die brasilianische und die spanische Technik unterscheiden. Während die brasilianischen Ansätze aus vielen Hechtbewegungen und Handabwehr besteht, nutzen Torhüter der spanischen Schule eher die Füße und wenig „spektakuläre“ Elemente, da es mehr um die passive Verteidigung des Tores geht. Bei den Antworten wird sich auf die spanische Schule fokussiert. Jeder Torwart hat dazu natürlich noch seine eigenen „Stilelemente“. Grundsätzlich führt eine richtige Technik nicht zwingend zum besten Ergebnis. Grunderfordernisse wie Agilität, Koordination und Antizipation können fehlende Technik bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Unter Torhütern gleicher Voraussetzungen wird jedoch der Futsal Torwart mit den richtigen Bewegungen erfolgreicher sein.

Was ist der bedeutende Unterschied zwischen einem Fußball- und einem Futsal Torwart?

Eines der wichtigsten Elemente ist ein fehlender „Angstreflex“ (kein Wegdrehen) sowie die passive Verteidigung des Tores. Während der Fußballtorwart primär versucht Bälle aktiv und bewusst abzuwehren, ist das Ziel des Futsaltorhüters den Winkel verkürzen, die abgedeckte Fläche zu vergrößern und „angeschossen“ zu werden.  Die Entscheidung für eine Aktion geschieht beim Futsaltorhüter vor der Aktion des Angreifers – es wird viel antizipiert.

Ein weiterer Unterschied ist die Abwesenheit des „Angstreflexes“. Selbst die besten Fußballtorhüter drehen Ihren Kopf oft vor dem Schuss ab. Wer sich jedoch als Futsaltorhüter verbessern möchte, sollte genau dies vermeiden und den Oberkörper gerade lassen. Ein Futsaltorhüter ist stark, wenn die Körperfläche maximal ist und sich nicht „wegdreht“. Dies ist ein Grund, warum Handballtorhüter ebenfalls gute Futsaltorhüter werden können, wie Fußballtorhüter. Die Fähigkeit den Oberkörper im Moment des Schusses aufrecht zu halten und nicht wegzudrehen, macht die Hälfte der Torhüterqualität im Futsal aus.

Am deutlichsten wird der Unterschied bei 6m-Strafstößen. Während ein geschulter Futsalkeeper sich aufrecht in eine Ecke bewegt (somit 1/3 abdeckt) und „versucht“ angeschossen zu werden, macht sich ein Fußballtorhüter klein und hechtet sich in eine Ecke, wodurch er nur 1/9 des Tores abdeckt.

Warum ist die richtige Technik wichtig?

Zur effizienten und effektiven Abwehr im Futsaltor sind richtige Techniken unerlässlich. Dies bezieht sich ebenfalls auf die Verletzungsvorbeugung. Der langfistige Versuch, jeden Ball mit einem Hechtsprung abzuwehren, wird sich nach einiger Zeit mit  geprellten Hüften rächen. Ein Merkmal, ob ein Torhüter spezielle Futsal-Technik nutzt oder nicht, ist der Umstand, ob er Knie-, Arm, Hodenschoner nutzt. Dies resultiert aus der Tatsache, dass bei Anwendung der Fußballtorhütertechnik die entscheidenden Körperpartien weniger stark beansprucht werden. Ein Torhüter mit Futsaltechnik braucht z.B. hingegen keine Hüftschoner, da dieser Bereich kaum in „Anspruch“ genommen wird.

Welche Probleme ergeben sich bei der Umstellung auf Futsal Torwart Technik?

Eine Verbesserung im Torhüterspiel wird langfristig nur durch den Einsatz der richtigen Technik zu erreichen sein. Dies wird zu zwei Effekten führen. Zum einen kann es in der Umstellzeit zu deutlich schlechteren Ergebnissen führen, da Automatismen noch nicht ausgeprägt sind. Das Ziel ist das „richtige“ Halten der Bälle. Zweitens könnte sich bei Torhütern, welche noch parallel Fußball spielen, durch die Abtrainierung von Bewegungen eventuell das Fußballtorhüterspiel verschlechtern. Es ist daher zu empfehlen, sich langfristig nur auf eine Sportart zu beschränken.




Welche speziellen Bewegungstechniken gibt es?

Eine für Neulinge sehr ungewohnte Abwehrstellung ist der Grätschschritt (siehe ab 1:05 https://www.youtube.com/watch?v=0m3-6DsBFHc oder 0:25-1:55 https://www.youtube.com/watch?v=v4ShXe1gNmE), wobei der Torhüter in einen Halbspagat/Grätsche geht. Die Bewegung ist zum einen wichtig, um Bälle möglichst schnell mit den Fuß abzuwehren. Schüsse werden im Futsal in der Regel aus kurzer Distanz einschlagen, wodurch keine Zeit für Hechtsprung oder Zwischenschritt bleibt. Ferner ist die Bewegung unabdingbar, möchte der Torhüter möglichst schnell den langen Pfosten abdecken. Für den Grätschsprung ist zudem der Oberkörper gerade, die Hände oben zu halten und in Anschluss durch eine Hebelwirkung des abgeknickten Fußes direkt wieder aufzustehen. Für Fußballtorhüter ist all dies zunächst technisch und muskulär ungewöhnlich. Der Muskel, der für die Aufrichtung aus dem Grätschschritt notwendig ist, wird bei Fußballtorhütern nur rudimentär trainiert. Außerdem ist dieser Sprung nur möglich, wenn das von der Sprungseite abgewendete Bein als Sprungbein dient. Fußballtorhüter nutzen für das Abspringen gewöhnlich das der Sprungseite zugewandte Bein. Wer also im Fußball nach links hechtet, nutzt das linke Bein zum Absprung. Ein Futsal-Torhüter in derselben Situation nutzt hingegen das rechte Bein, möchte er in die Abwehrhaltung gehen.

Warum nutzen Futsal Torhüter selten Handschuhe

Futsaltorhüter nutzen in der Mehrheit keine Torwarthandschuhe. Der Verzicht auf Handschuhe hat mehrere Gründe. Zum einen spielt der Abwurf des Futsal-Torwarts eine große Rolle im Spielaufbau. Um präzise werfen zu können, ist die Ballkontrolle mit der Hand wichtig, die wiederrum ohne Handschuhe deutlich besser funktioniert. Ferner ist es nicht Hauptziel des Torhüters Bälle zu fangen. 95% der Bälle kommen sehr scharf und oft mit Pike, wodurch ein gezieltes Ablenken zur Seite Priorität hat. Die Abprallkraft von der Hand ist mit Torwarthandschuhe geringer und unpräziser als mit der blanken Hand. Auch ist das Wegfausten kein wichtiger Bestandteil des Torhüterspiels. Außerdem: Torwarthandschuhe nutzen sich schnell auf dem Hallenboden ab. Der Einsatz von Tape (1€ – 2€ pro Rolle) ist deutlich günstiger, als jeden Monat ein neues Paar Handschuhe zu kaufen.

Und der Abwurf?

Wenn man sich Videos anschaut, wird man schnell Unterschiede in der Abwurftechnik von Futsal- und Fußballtorhütern entdecken. Während der Fußballtorhüter mit der Kraft aus einem langen Armschleuder den Ball spielt, nutzt der Torhüter den Moment der Drehung um die Hüfte und weniger aus dem Arm selber. Dieser Hüftwurf ermöglicht flache Bälle zu werfen, lange Bälle zu spielen und Bälle anzudrehen (sehr schön zu sehen ab 1:55 https://www.youtube.com/watch?v=vERGb6d0lcM). Jedoch können unterschiedliche Wurftechnik effektiv sein – anatomische Gegebenheiten können eine andere Technik überlegen machen. Der Abwurf aus einer gerade Bewegung des Balles im Stile eines Schlagwurfes kann manchmal genau so effektiv sein.

Welche weitere Ausrüstung sollte ich mir anschaffen?

Wie weiter oben beschrieben, sollte bei richtiger Technik Arm-,Knie- und Hodenschutz notwendig werden.  In Deutschland gibt es momentan wenige Hersteller, die guten Knieschoner für Futsal-Torhüter anbieten. Zu Empfehlen ist zum Beispiel die Marke Arquer (Rodillera heavy). Wichtig ist, dass die Schoner abriebfest und sehr dick gepolstert sind. Eine nicht notwendige, jedoch interessante Hilfe, sind Verstärkungen für die Ellenbogen. Ihr werdet sehr häufig Schüsse aus kurzer Distanz an die Hand bekommen, wodurch der Ellenbogen überdehnt wird. Oft ist diese Körperpartie untertrainiert, was über längere Zeit zu Schmerzen führt. Abhilfe kann hier spezielles Aufbautraining schaffen oder auch eine Ellenbogenbandage wie z.B. von „Push Med“ helfen. Weiterhin unersetzbar ist Tape für Finger und Knöchel. Um schneller in den Grätschsprung zu gelangen, empfiehlt es sich auch die hinteren Fersen der Turnschuhe mit Tape abzukleben.

 

Futsal Torwart